Die Geschichte des Betriebes ist eng mit der Familie Esterházy verbunden. 1674 erwarb Fürst Paul Esterházy die Herrschaft Lockenhaus von der Königlichen Hofkammer. Nach einer Phase der Verpachtung (1861 – 1872) wird seit 1872 wieder in Eigenregie bewirtschaftet. Nach 1945 stand der Betrieb zehn Jahre unter russischer USIA-Verwaltung. Das führte zu einer Halbierung des Holzvorrates mit großen Kahlschlägen. 1995 wurde die derzeitige Privatstiftung gegründet.
Die etwa 5.500 ha Waldfläche erstrecken sich rund um Lockenhaus. Die zwei Reviere gliedern sich geographisch in das Günser- und das Bernsteiner-Gebirge, den östlichsten Ausläufer der Alpen mit dem Geschriebenstein als höchste Erhebung (884 m Seehöhe) sowie teilweise dem Oberpullendorfer Becken. Ein weiteres Forstgut in Rechnitz mit etwa 1.000 ha wird als Dienstleistung mitbetreut. Waldpädagogische Führungen für Schüler sowie Buchenscheitverkauf zählen zu den gern genutzten Angeboten des Forstbetriebes. Waldpflege und Ernte im Laubholz erfüllen zu großen Teilen eigene Forstfacharbeiter mit betriebseigenem Traktor und Forwarder, der eigene Lkw gibt wiederum Flexibilität bei der Holzabfuhr.
Die Jagd ist ein wichtiger Bestandteil des Waldbaukonzeptes und soll den Nachwuchs ohne großflächige Schutzmaßnahmen und kostenintensive Pflanzungen ermöglichen. Bewirtschaftet werden vier Eigenjagdgebiete mit einer Jagdfläche von etwa 7.000 ha. Im Rahmen von Abschussverträgen können Rot-, Reh-, Muffel- und Schwarzwild bejagt werden.
Der Wald ist geprägt von 60% Laubholz – dominierend Buche und Eiche – und 40% Nadelholzanteil. Die enorme Vielfalt wird unterstrichen durch 33 verschiedene Baumarten, sechs davon repräsentieren Wirtschaftlichkeit: Buche, Fichte, Eiche, Kiefer, Tanne und Lärche. Bereits vor 50 Jahren entstanden Überlegungen, den Fokus auf den Einzelbaum zu legen und eine Dauerwaldbestockung anzustreben. Gründe waren die geringen Holzvorräte der Nachkriegszeit und die teils starken Schälschäden. Ins Auge gefasst wurde damit, den Wertzuwachs im Laubholz zu steigern, um hochwertiges Sägerundholz zu erzeugen.
Forstmeister Christoph Lainer-Findeis gibt Einblicke in die Bestände im Günser Gebirge. © Christa Feichtner
Das Klima am Alpenostrand
Forstmeister Lainer-Findeis ist seit 2022 im Betrieb und konnte den Exkursionsteilnehmern die Waldbilder, die überwiegend seine Vorgänger Andreas Nemestothy und Martin Pollak prägten, zeigen. Das Buchenkonzept nach Pollak führte vor allem in den Buchenreinbeständen zur Zweischichtigkeit. Ziel war es, den Wertzuwachs zu erhöhen und den Fokus auf den qualitativ hochwertigen Einzelbaum zu legen. Die Eingriffe erfolgten in Form einer Negativauslese. Die klimatischen Veränderungen sorgen aktuell bei der Buche zu massiven Trockenschäden, die besonders in den Kronen zu sehen sind. Die Holzernte wird dadurch herausfordernder. Funkfällkeile werden aus Sicherheitsgründen verwendet, um die Gefahr von herabstürzenden Kronenteilen zu minimieren.
Lag die Jahresmitteltemperatur in den 1980er-Jahren noch zwischen 8 und 9,5° C auf 430 m Seehöhe, so wurden 2024 bereits 12,1° C gemessen. Dieser Jahreswert zeigt keinen statistischen Durchschnitt, weist allerdings auf die erwartbare Zukunft hin. Betrachtet man die Klimahüllen der Baumarten, also wo eine Baumart aufgrund der Temperatur natürlich vorkommen kann, so sind Fichte und Buche nur mehr eingeschränkt geeignet. Die mittleren Jahresniederschläge liegen um 850 mm, wobei sich die Niederschlagsmuster im Jahresverlauf stark verändert haben. Andauernde Hitze, wolkenbruchartige Ereignisse und lange Trockenperioden werden wohl die Zukunft sein.
Gerade beim Laubholz entsteht Qualität durch kontinuierliche Pflege – eine von vielen Stärken des Dauerwaldes.
Mit Strategie Richtung Dauerwald
Unter Berücksichtigung der aktuellen, geringen Holzvorräte aufgrund einer betrieblichen Vorverlagerung des Nutzungspotenzials bleibt weiterhin das Ziel, die Bestände in Richtung Dauerwald zu überführen – dies unter besonderer Beachtung der Baumartenwahl und der Klimaveränderung. Das Auszeigekonzept basiert heute auf einer Positivauslese. Im Sinne einer Strukturdurchforstung und Zielstärkennutzung werden die Nutzungseingriffe ausgezeigt. Diese erfolgen an jedem Waldort gemäß einer Pflegeblockeinteilung mit 10-Jahres Intervallen. Gleichförmige Dickungen, bei denen eine Selbstdifferenzierung nicht zu erwarten ist, werden auch im Laubholz geläutert, um eine Mischwuchsregulierung durchzuführen, extreme Protzen zu entfernen und vor allem für den späteren maschinellen Einsatz vorzubereiten. Im Laubholz-Stangenholz erfolgt der erste Dimensionierungseingriff. Nach Erreichen der Zielstärke soll einzelbaumweise genutzt werden, um einerseits die Struktur weiter zu erhöhen und andererseits um die Verjüngung gezielt zu fördern.
Üppige Verjüngung mit Pionierbaumarten und Laubhölzern unter einem 70-jährigen Kiefernbestand. © Christa Feichtner
Enger Handlungsspielraum
Zwar lag der Schadholzanteil in den vergangenen Jahrzehnten nur im Bereich zwischen 10 und 20%, das Potenzial dazu nimmt jedoch aufgrund der Klimaveränderung zu. Gerade Buche und Fichte, die zusammen rund die Hälfte des Holzvorrats bilden, sind zunehmend in Bedrängnis. Durch eine weite Vorausverjüngung der Buche ist ein Einbringen einer „klima-resistenteren“ Baumart nicht immer einfach. Da der überwiegende Teil des Betriebes von einem Natura 2000-Gebiet umfasst wird und hier durch eine Verschärfung der Verordnung das Verjüngen von nicht-autochthonen Baumarten bewilligungspflichtig beziehungsweise verunmöglicht wurde, ist der Handlungsspielraum in punkto Klimaanpassung extrem eingeschränkt. Damit ist das Einbringen beispielsweise von Douglasie oder Roteiche nicht möglich.
Burgenland-Trails
Zum Entschleunigen sportlicher Freizeitnutzer wurden für die Beschleunigung im Burgenland einige kostenpflichtige Mountainbike-Trails angelegt. Knapp 20 km des Radwege-Netzes führen durch die Lockenhaus-Reviere. Nach anfänglichen Bedenken hat sich heute weitgehend Zufriedenheit eingestellt: Der Wald entlang der angelegten Strecken entwickelt sich gut, beim Wild lässt sich eine Gewöhnung beobachten.
Üppige Verjüngung
Vor 70 Jahren stand in einem 21 ha großen grenznahen Revierteil vor allem Weichholz am Plan. Nach Eingriffen 1989 und 2018 ist nun inmitten der Heidelbeerauflage viel Eichen- und Buchenverjüngung zwischen den 70-jährigen Kiefern aufgekommen. Gassen wurden für die Bejagung gefräst, die nun an den Rändern von Pionierbaumarten besiedelt wurden. Im kiesig-sandigen Lehmboden verjüngt sich nun bevorzugt Laubholz, darunter verschiedene Eichenarten wie die Traubeneiche und die wärmeliebende Zerreiche, die sich aufgrund ihrer nahen Verwandtschaft und überlappender Blütezeiten gelegentlich genetisch vermischen und natürliche Hybride bilden. Auch auf diesem letzten Exkursionspunkt war es spannend zu sehen, wie sich die Baumartenmischung klimatisch bedingt neu gestalten wird.
Mit der flächigen Verjüngung, aber den teils geringen Vorratshaltungen in der Oberschicht, wird noch viel Geduld benötigt, bis unter den klimatischen Herausforderungen das Dauerwaldkonzept greift. Dauerwald kann eben dauern.